6. Mai 2026

Wir bauen Webseiten für Menschen. Bald sind die wichtigsten Besucher keine Menschen mehr.

Über die Hälfte des Internet-Traffics ist heute schon nicht mehr menschlich. Was passiert, wenn KI-Agenten das Internet konsumieren — und was es für Schweizer KMU bedeutet, die heute eine Webseite planen.

Über die Hälfte des Internet-Traffics ist heute schon nicht mehr menschlich.

Das ist keine Spekulation. Das ist die Datenlage aus dem Imperva Bad Bot Report 2025: 51 Prozent des gesamten Web-Traffics wurde 2024 von automatisierten Systemen erzeugt, nicht von Menschen. Zum ersten Mal seit zehn Jahren übersteigt der maschinelle Anteil den menschlichen.

Wir bauen trotzdem weiter Webseiten für Menschen.

Wer auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt

Bevor jemand einwendet: ja, ein Grossteil dieser 51 Prozent sind nicht „böse“ Bots. Es sind Suchmaschinen-Crawler, Monitoring-Bots, Preisvergleichsdienste. Schon immer da, harmlos.

Aber ein wachsender Teil ist neu, und der ist anders.

Das sind die KI-Agenten. Crawler von ChatGPT, Perplexity, Claude, Gemini, die Webseiten lesen, um Antworten zu formulieren. Browser-Agenten wie OpenAI Operator, die im Auftrag von Nutzern auf Webseiten klicken, Formulare ausfüllen, Buchungen machen. Anthropic’s Computer Use, das in seiner zweiten Iteration anfängt, ganze Workflows autonom zu erledigen. Amazon Rufus, der inzwischen über 13 Prozent aller Amazon-Suchen abwickelt — als KI-Stellvertreter zwischen Käufer und Produktseite.

Die Zahlen, die das Tempo zeigen, sind unbarmherzig. Eine Studie von SE Ranking hat gemessen: KI-Plattformen generierten 2025 nur 0,15 Prozent des globalen Internet-Traffics — aber sieben Mal mehr als 2024. Eine aktuellere Analyse kommt auf 45 Milliarden monatliche KI-Sessions weltweit. Das entspricht 56 Prozent des Suchmaschinen-Volumens. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 rund 50 Prozent der organischen Suchanfragen verschwinden — weil sie von KI-Antworten ersetzt werden.

Sie können diskutieren, ob die Trajectory drei oder fünf Jahre braucht. Sie können nicht diskutieren, dass sie real ist.

Was das bedeutet, wenn man es ernst nimmt

Stellen Sie sich vor, in vier Jahren passiert Folgendes:

Sie wollen einen neuen Coiffeur. Sie sagen es Ihrem KI-Assistenten. Er recherchiert Coiffeur-Salons in Ihrer Region, liest Bewertungen, vergleicht Öffnungszeiten, schlägt drei vor. Sie wählen einen aus. Der Assistent ruft an oder bucht einen Termin online.

Sie selber haben keine einzige Webseite besucht.

Der Coiffeur hat keine einzige Webseite-Impression registriert. Sein Google Analytics zeigt: keine Veränderung. Was sich verändert hat: Er steht jetzt auf der Liste eines KI-Assistenten oder nicht.

Skalieren Sie das Szenario auf zehn Millionen kleine Entscheidungen pro Tag. Restaurant-Reservierungen. Handwerker-Buchungen. Versicherungsvergleiche. Treuhand-Anfragen. Notare. Anwälte. Ärzte.

Wer auf der Liste steht, gewinnt. Wer nicht, existiert nicht — weil der Mensch, der hätte googeln können, gar nicht mehr googelt.

Was das mit der Webseite macht

Webseiten existieren heute, um drei Dinge zu erreichen.

Sie sollen gefunden werden — durch Google. Sie sollen Vertrauen schaffen — durch Design, Bilder, Geschichten, Bewertungen. Sie sollen handeln lassen — durch Formulare, Buchungssysteme, Telefonnummern.

In einer Welt der KI-Agenten verschiebt sich das fundamental.

Gefunden werden funktioniert nicht mehr durch klassisches SEO. Es funktioniert durch Sichtbarkeit in den Datenquellen, aus denen die KI-Modelle ihre Antworten ziehen. Strukturierte Daten (Schema.org), saubere semantische HTML-Struktur, eine llms.txt, die explizit sagt, was die Webseite ist und macht. Das ist GEO — Generative Engine Optimization. Was wir bei webgearing seit zwei Jahren predigen.

Vertrauen schaffen wird zur Black Box. Eine KI urteilt nicht über Ihre Hero-Section, Ihre Brand-Farbe, Ihre Stockfotos. Sie urteilt über das, was sie strukturiert lesen kann: Bewertungen, Erfahrungswerte, Quellen, die sich verlinken, Zitate in Fachpublikationen. Visuelles Design verliert für diesen Konsumenten — die KI — seinen Sinn. Es wird nicht überflüssig, weil Menschen weiterhin Webseiten besuchen werden. Aber es wird zu einem Layer, der nur noch einen Teil der Zielgruppe adressiert.

Handeln lassen verändert sich am tiefsten. Wenn der KI-Agent für den Endkunden bucht, braucht es eine API, nicht ein Buchungsformular. Eine maschinenlesbare Schnittstelle, durch die der Agent ohne Klicks und Captchas seinen Auftrag erledigen kann. Das, was Stripe Agentic Commerce und Shopify inzwischen aktiv vorbereiten — Bezahlsysteme für Agenten, nicht für Menschen.

Wer das treffen wird

Die unangenehme Wahrheit zuerst: das trifft uns alle. Auch uns.

Wir sind eine Webagentur. Wir leben davon, dass Schweizer KMU Webseiten bauen lassen — heute mit Blick auf Menschen. Wenn die Hälfte unserer Tätigkeit in vier Jahren strukturell anders aussehen muss, ist das keine philosophische Übung. Das ist unser Geschäftsmodell.

Trotzdem trifft es nicht alle gleich.

  • Webagenturen, die Webseiten als Marketing-Werkzeug bauen (also: möglichst gut bei Google ranken, möglichst hohe Conversion-Raten) müssen sich verändern. Marketing-Werkzeuge funktionieren in einer Agenten-Welt anders. Wer rein optimierungs-getrieben gearbeitet hat, hat jetzt das Problem, dass die Optimierungs-Ziele in Bewegung sind.
  • Designagenturen, die rein auf visuelles Erscheinungsbild und Markenführung setzen, stehen vor einer härteren Frage. Visuelles Design für Menschen verschwindet nicht — aber sein Anteil am Gesamtgeschäft schrumpft, je mehr KI-Agenten die Erstkontakte abwickeln. Wer „wir machen schöne Webseiten“ als Verkaufsargument hat, braucht eine zweite Geschichte für die Zeit, wenn Schönheit für die Hälfte der Besucher keine Rolle mehr spielt.
  • Inhouse-Marketing-Teams in KMU sind in einer ungemütlichen Lage. Sie haben gerade gelernt, mit Google Analytics, Search Console, Facebook Ads und einem CMS umzugehen. Jetzt kommt eine Schicht dazu, die andere Skills verlangt: strukturierte Daten verstehen, Datenfeeds pflegen, in Bewertungs-Plattformen sichtbar sein, vielleicht eigene API-Endpoints betreiben.
  • Inhalts-Plattformen (Verlage, Magazine, Blogs) sind die ersten Verlierer. Schon heute messbar: 35–50 Prozent organischer Traffic-Rückgang bei Health- und How-to-Seiten, weil ChatGPT und Google AI Overviews die Antworten direkt liefern, ohne dass jemand noch klicken muss.

Was wir nicht wissen

Diesen Absatz schreibe ich aus Ehrlichkeit, nicht aus Unsicherheit.

Wir wissen nicht, ob es in 5 Jahren tatsächlich so weit ist, dass die Mehrheit der KMU-Endkunden über KI-Agenten kommt. Vielleicht setzt sich die Entwicklung schneller durch, vielleicht langsamer. Vielleicht gibt es Gegenbewegungen — Menschen, die bewusst wieder selber recherchieren wollen. Wir wissen nicht, welche KI-Plattform 2030 dominiert. Heute sind es ChatGPT mit fast 80 Prozent Marktanteil, Perplexity, Claude, Gemini. Morgen kann das anders aussehen.

Wir wissen nicht, ob Webagenturen wie wir 2030 noch existieren — oder ob sie sich in etwas anderes verwandelt haben, das wir heute nicht klar benennen können.

Was wir wissen: Die Trajectory ist da. Und wer heute eine Webseite plant, ohne diese Trajectory mitzudenken, baut potenziell ein Werkzeug, das in vier Jahren die Hälfte seiner Wirkung verloren hat.

Was Sie als KMU jetzt tun können

Nicht warten. Aber auch nicht überreagieren.

  • Erstens: Strukturierte Daten ernst nehmen. Schema.org-Markup auf jede Seite, die ein Produkt oder eine Dienstleistung beschreibt. Eine llms.txt, die KI-Modellen erklärt, was Sie sind und tun. Das ist heute schon möglich, kostet wenig, wirkt sofort.
  • Zweitens: In den Datenquellen sichtbar sein, aus denen KI-Modelle lernen. Google Business Profile, Branchenverzeichnisse, Bewertungen, Wikipedia-Einträge wo seriös möglich. KI-Modelle ziehen ihre „Empfehlungen“ aus dem aggregierten Wissen des Internets. Wer dort fehlt, fehlt im Kopf des Modells.
  • Dritter Punkt für Mutige: API-Schnittstellen mitdenken. Wenn Ihr Geschäft Buchungen, Anfragen oder Bestellungen kennt — könnte ein KI-Agent das in zwei Jahren stellvertretend für seinen Nutzer auslösen? Wenn ja, lohnt es sich, heute schon zu überlegen, wie eine maschinenlesbare Schnittstelle aussähe.

Was Sie nicht tun sollten: in Panik geraten und Ihre bestehende Webseite wegwerfen. Menschen werden auch 2030 Webseiten besuchen. Vielleicht nicht mehr 100 Prozent, aber 60–80 Prozent — und dieser Teil bleibt vorerst der wichtigere. Visuelles Design, Markenführung, Storytelling sind nicht obsolet. Sie sind nur nicht mehr der einzige Kanal.

Was wir bei webgearing damit machen

Ehrliche Antwort: wir denken laut darüber nach.

Unsere GEO-Pakete bauen wir seit zwei Jahren — bevor das Thema im Mainstream war. Unser CRM und unsere Tools entstehen mit Blick auf API-First-Architektur, weil wir merken, dass das die richtige Richtung ist. Unsere Beratung verschiebt sich allmählich weg von „wie wird Ihre Webseite schöner“ hin zu „wie wird Ihre Information für jeden Konsumenten — Mensch oder Agent — auffindbar“.

Aber wir wissen nicht, wo das in fünf Jahren landet. Wer behauptet, das genau zu wissen, ist entweder ein Prophet oder ein Verkäufer.

Was wir wissen: Es ändert sich. Und wer das nicht wenigstens offen anspricht, ist Teil des Problems.

Schluss

Wir bauen Webseiten für Menschen.

Bald sind die wichtigsten Besucher keine Menschen mehr.

Die Frage ist nicht, ob das passiert. Die Frage ist, wie schnell. Und ob Ihre Webseite 2027 noch für die richtigen Besucher gebaut ist.

Falls Sie über das Thema sprechen wollen — wir tun das gerne. Kein Pitch, keine fertige Antwort. Aber ein ehrliches Gespräch über das, was sich gerade verändert.

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