Die meisten KMU-Websites, die wir 2026 sehen, sind zwischen vier und sieben Jahre alt. Das ist nicht die schlimmste Zahl. Die schlimmere ist eine andere: 78 Prozent der Schweizer KMU-Websites wurden seit mehr als drei Jahren nicht mehr grundlegend aktualisiert. Ohne Relaunch. Ohne substantielles Update. Nur mit ab und zu einer Textänderung.
Das war lange kein Problem. Bis Google, ChatGPT und die neuen Konkurrenten den Massstab verschoben haben. Heute geht es nicht mehr darum, ob eine Website «modern aussieht». Sondern darum, ob sie noch gefunden wird, ob sie lädt, ob sie konvertiert.
Dieser Beitrag beantwortet drei Fragen: Wann ist ein Relaunch wirklich fällig. Was kostet er heute realistisch. Was muss die neue Website leisten, um sich zu rechnen.
Wann ein Relaunch wirklich fällig ist
Nicht jede Website braucht einen Relaunch. Manchmal reicht ein gezieltes Update. Zeit für einen echten Relaunch ist bei mindestens drei der folgenden sieben Anzeichen:
- Die Ladezeit liegt über 3 Sekunden auf einem normalen mobilen Netz
- Das Design wirkt sichtbar veraltet im Vergleich zur direkten Konkurrenz
- Die Website ist nicht mehr responsive, sondern zeigt auf dem Natel Zoom-Probleme
- Sie generiert keine oder kaum Anfragen — weniger als eine qualifizierte Anfrage pro Monat pro 1’000 Besuche
- Sie ist für ChatGPT, Perplexity oder Google AI unsichtbar (weder in llms.txt noch mit Schema-Markup versorgt)
- Das CMS oder die Basistechnik ist veraltet — kein Zugriff, kein Support, kein Update möglich
- Sie passt nicht mehr zur aktuellen Positionierung — falsche Angebote, alter Slogan, alter Fokus
Wenn drei dieser Punkte zutreffen, ist ein Relaunch wirtschaftlich fast immer sinnvoller als ein Flicken. Branchenkenner empfehlen einen Relaunch-Zyklus von drei bis fünf Jahren, weil sich Design-Standards, SEO-Anforderungen und technische Möglichkeiten in dieser Zeit spürbar verschieben.
Was ein Relaunch heute wirklich kostet
Realistische Preise für einen professionellen Relaunch in der Schweiz, Stand August 2026:
| Website-Typ | Preisspanne |
| Digitale Visitenkarte (1–5 Seiten) | CHF 2’900–5’000 |
| KMU-Website (5–15 Seiten, SEO/GEO, Blog) | CHF 5’900–12’000 |
| Corporate Website (15–30+ Seiten, mehrsprachig, Portal) | CHF 14’900–30’000 |
Diese Spannen decken sich mit aktuellen Marktdaten von Loaded[3] (CHF 3’490 bis 15’000 für ein Standard-Redesign) und WebCraftDev[4] (CHF 5’000 bis 18’000 in der Schweiz).
Was zusätzlich läuft: Hosting ab CHF 29/Mt. für Schweizer Server mit SSL, Backups und Updates. Care-Paket ab CHF 59/Mt. für laufende Wartung, Content-Updates und Monitoring. Beide Module monatlich kündbar. Das sind nicht die kritischen Posten. Der kritische Posten ist die Inhalts-Migration und -Neuerstellung, die viele KMU unterschätzen.
Was Sie fair einrechnen müssen: interne Zeit. Auch bei einer voll ausgelagerten Umsetzung braucht das KMU rund 40 bis 80 Stunden für Freigaben, Content-Zulieferungen und Entscheide. Das ist ein zusätzlicher, oft nicht budgetierter Kostenblock.
Was die neue Website leisten muss
Der grösste Fehler bei einem Relaunch 2026 ist der Fokus auf «schöner». Eine Website muss heute vier Dinge messbar besser können als die bisherige.
Erstens: Konvertieren. B2B-Websites konvertieren 2026 im Schnitt zwischen 1 und 3,5 Prozent[5]. Werte über 3 Prozent gelten als überdurchschnittlich. Wenn Ihre neue Website nicht dorthin will, war der Relaunch verschwendetes Geld. Der wichtigste Hebel: klare Call-to-Actions, keine Sackgassen, ein Erstgespräch als niederschwellige Option.
Zweitens: Laden. Core Web Vitals bleiben 2026 ein Google-Ranking-Signal[6] — nicht das wichtigste, aber ein Tie-Breaker. Wichtiger als das Ranking ist die Conversion: eine Sekunde schnellere mobile Ladezeit korreliert mit mehreren Prozent höherer Abschlussrate. Ihre neue Site sollte unter 2,5 Sekunden LCP (Largest Contentful Paint) auf 4G laden.
Drittens: Gefunden werden. Nicht nur bei Google. Auch bei ChatGPT, Perplexity, Claude, Google AI Overviews. Ohne llms.txt, ohne saubere Schema-Markup, ohne strukturierte Antworten auf typische Kundenfragen sind Sie in AI-Suchen unsichtbar. Das ist nicht mehr optional. Das ist die zweite Suchmaschine, die 2026 an Bedeutung deutlich zugelegt hat.
Viertens: Vertrauen aufbauen. Referenzkunden, Team-Fotos mit echten Menschen, Preise (auch als «ab»-Angabe), Kontakt-Optionen ohne Formular-Zwang. Was in den letzten drei Jahren an KI-Content überall auftaucht, verstärkt die Wirkung von echten Signalen. Wer keine Menschen zeigt, wirkt heute weniger vertrauenswürdig als vor fünf Jahren.
Die typischen Fallen beim Relaunch
Drei Fallen, die wir in Kundengesprächen immer wieder sehen:
Falle 1: SEO-Migration wird vernachlässigt. Ein Relaunch ohne SEO-Strategie kann bis zu 40 Prozent des organischen Traffics kosten[7] — manchmal dauerhaft. URL-Struktur, Weiterleitungen (301 statt 302), Sitemap-Übergabe, Google Search Console: alles Pflicht, nichts optional.
Falle 2: Kein Redaktionsprozess für Content. Neue Website, gleiche alte Texte. Wenn niemand die Inhalte substantiell überarbeitet, verpufft die Investition. Zwei Wochen nach Go-Live sieht die Website wieder alt aus. Faustregel: mindestens 60 Prozent der Kerntexte müssen neu geschrieben werden.
Falle 3: Freigabe-Prozess ohne Endpunkt. Zwei Wochen Feedback-Schleifen. Dann noch zwei. Dann noch der Geschäftsführer. Klar begrenzte Freigabe-Runden (in unserem Fall drei) sind Pflicht, sonst dehnt sich das Projekt endlos.
Was ein moderner Relaunch dazu bringt, was frühere nicht hatten
Zwei Punkte, die vor drei Jahren noch keine Rolle spielten:
GEO — Generative Engine Optimization. Die Optimierung für KI-Suchmaschinen. Konkret: llms.txt-Datei mit strukturierten Antworten, Schema-Markup für Organisation, Personen und FAQs, Antworten auf typische Kundenfragen in strukturiertem Format. Das kann eine Website heute in ChatGPT-Empfehlungen katapultieren.
KI-Chatbot als optionales Modul. Nicht der Bot von 2020, sondern ein RAG-System mit Wissensbasis aus Ihren echten FAQ-Texten. Für 40 bis 60 Prozent Deflection bei Standardfragen. Das rechnet sich ab etwa 500 Besuchen pro Monat.
Beide Punkte sollten heute Teil eines Relaunch-Konzepts sein, nicht als teures Sondermodul, sondern als Standardkomponente.
Der Zeitplan, mit dem es funktioniert
Realistische Zeitschätzung für einen Schweizer KMU-Relaunch 2026:
- Wochen 1–2: Anforderungs-Workshop, Konzept, Grobstruktur, Freigabe
- Wochen 3–5: Design, erste Screens, iterative Verfeinerung
- Wochen 6–8: Umsetzung, Content-Migration, Content-Neuerstellung
- Wochen 9–10: Interne Tests, SEO-Vorbereitung, letzte Freigaben
- Woche 11: Go-Live, technische Umschaltung, Monitoring
- Wochen 12–14: Optimierung, Analyse, kleinere Anpassungen
Das ergibt insgesamt drei bis vier Monate für einen sauber aufgesetzten Relaunch. WebCraftDev gibt für Europa 4 bis 10 Wochen an[8], unsere Erfahrung in der Schweiz mit ordentlicher Content-Erstellung liegt eher bei 10 bis 14 Wochen.
Ein Rechenbeispiel
Ein Solothurner KMU-Betrieb mit 12 Mitarbeitenden. Bisherige Website: 5 Jahre alt, WordPress-Standard-Theme, keine Anfragen mehr, keine Auffindbarkeit in KI-Suchen.
Investition:
- Relaunch (10-Seiten-Website mit SEO/GEO und einfachem Chatbot): CHF 9’800
- Hosting: CHF 29/Mt.
- Care-Paket: CHF 59/Mt.
- Zusätzlich intern: rund 60 Stunden über drei Monate
Erwartetes Ergebnis nach 6 Monaten:
- 2 zusätzliche qualifizierte Anfragen pro Monat aus organischem Traffic
- Bei durchschnittlichem Auftragswert CHF 8’000: 16’000 pro Monat oder rund 190’000 pro Jahr zusätzliches Umsatzpotenzial
- Amortisation der Investition bei 20 Prozent Abschlussrate: unter zwei Monaten
Das ist keine Blabla-Rechnung. Das sind Zahlen aus mehreren Projekten aus 2025 und 2026. Nicht jeder Relaunch performt so, aber die Grössenordnung ist realistisch, wenn Konzeption, Umsetzung und Content sauber gemacht sind.
Wenn Sie den Relaunch anstossen wollen
Drei konkrete Schritte für diese Woche:
- Prüfen Sie Ihre Website ehrlich gegen die sieben Relaunch-Anzeichen. Wie viele treffen zu?
- Schauen Sie sich die Websites Ihrer drei direktesten Konkurrenten an. Wo liegen Sie voraus, wo zurück?
- Buchen Sie ein kostenloses Erstgespräch mit einer Agentur, die Ihnen ehrlich sagt, ob ein Relaunch oder ein gezieltes Update sinnvoll ist.
FAQ
Wie lange dauert ein Website-Relaunch für ein KMU wirklich?
Bei klar definiertem Umfang und guter Zulieferung 10 bis 14 Wochen. Bei unsauberer Ausgangslage oder langen Freigabe-Runden schnell 5 bis 6 Monate. Der Zeitfaktor Nummer eins ist die Content-Erstellung, nicht das Design.
Was passiert mit unseren aktuellen Google-Rankings?
Bei sauberer SEO-Migration bleiben sie stabil oder verbessern sich. Bei nachlässiger Migration können 30 bis 40 Prozent des organischen Traffics verloren gehen. Sitemap, 301-Weiterleitungen und Search-Console-Übergabe sind Pflicht.
Brauchen wir einen KI-Chatbot?
Ab 500 monatlichen Besuchen und mindestens 30 wiederkehrenden Fragen: ja. Darunter meist nicht. Der Bot lohnt sich, wenn die häufigsten Standardfragen 5 bis 10 Stunden manuellen Aufwand pro Woche binden.
Was ist mit den Bildern von der alten Site?
Meist wiederverwendbar, sollten aber optimiert werden (WebP-Format, richtige Grössen). Neue Business-Fotos, wenn die alten älter als drei Jahre sind. Ein professionelles Fotoshooting bringt in der Regel mehr als eine Design-Verbesserung.
Sollen wir zuerst SEO/GEO optimieren oder Relaunch machen?
Wenn ohnehin ein Relaunch fällig ist: beides zusammen. Ein Relaunch ohne SEO/GEO-Optimierung im Konzept ist kein Relaunch, sondern ein Schaufenster-Update. Nur mit SEO/GEO wird die neue Site auch gefunden.
Quellen:
- [4]WebCraftDev, Website Relaunch 2026 Preise Schweiz, https://webcraftdev.com/de/blog/website-relaunch-2026-vollstaendiger-leitfaden
- [5]Red Rabbit Media, B2B Conversion Rate 2026, https://web.redrabbit.media/tipps/was-ist-eine-gute-conversion-rate-fuer-b2b-websites
- [6]Rankeo, Core Web Vitals 2026, https://rankeo.io/blog/core-web-vitals-2026
- [7]webgearing, Leitfaden Webrelaunch 2026, https://www.webgearing.com/wp-content/uploads/2026/03/leitfaden_webrelaunch_2026.pdf